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SK-Prinzip
29.10.2011, 09:52 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.09.2012 10:06 PM von poly.)
Beitrag: #1
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Systemisches Konsensieren

[Bild: sk1b.png]

Lektion 1: Grundlagen
Was ist Systemisches Konsensieren?
Was zeichnet diese Methode aus?
Wie wird es angewendet?
Wie wurde bisher immer abgestimmt?
Lektion 2: Mehrheitswahl vs. Konsensieren
Ein Beispiel
Ein weiteres Beispiel
Zerstreuungsprinzip
Warum beim SK die Ablehnung gemessen wird
Lektion 3: Grenze des Zumutbaren
Lektion 4: Selbstreinigung
Lektion 5: Auswerteverfahren
Lektion 6: Kooperative Entscheidungsfindung
Lektion 7: Erfolgsfaktoren
Lektion 8: Methodik

Schnellkonsensieren
Auswahl-Konsensieren
Vertieftes Konsensieren
Anhang

Wozu Konsensieren?
Wie man zum Konsensieren überredet
Erweiterungen
Weiterführendes
Quellen
________________________________________________________________________________​_________________________________________________

Lektion 1: Grundlagen


Was ist Systemisches Konsensieren?
Systemisches Konsensieren ist ein bestimmter Weg der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Als Konsensieren bezeichnen wir allgemein den Vorgang der Konsensfindung, also das Finden der größtmöglichen Übereinstimmung unter Menschen. Systemisches Konsensieren nennen wir den hier beschriebenen Entscheidungsweg deshalb, weil er systembedingt zu einem konstruktiven Verhalten aller Beteiligten führt, ohne von ihrem guten Willen oder sonstigen Eigenschaften abhängig zu sein.


Was zeichnet diese Methode aus?
Was aus systemischem Konsensieren folgt, ist, dass die Entscheidung
- keine klassischen Verlierer liefert.
- am wenigsten auf Ablehnung in der Gruppe stößt.
- somit von der Gruppe am leichtesten getragen wird.
- keinen Streit fördert, sondern bestehenden Streit auflöst.
- die Kreativität aller Beteiligten miteinbezieht und diese somit fördert.
- dem idealen Interessenausgleich und somit dem Konsens am nächsten kommt.
- die beste findbare Lösung für das jeweilige Problem darstellt.
Diese Eigenschaften fassen wir unter dem Begrifft Systemisches Konsensprinzip (kurz: SK-Prinzip) zusammen.


Wie wird es angewendet?
Das Grundprinzip des systemischen Konsensierens besteht darin, dass jeder Wahlberechtigte zu jedem zur Wahl stehenden Vorschlag eine Stimme abgibt, welche jedoch immer eine Gewichtung trägt. Man stimmt hierbei also nicht mit „ja“ oder „nein“, sondern vergibt Stimmen auf einer Skala von 0 bis 10. Dabei steht die Null für „Ich habe überhaupt nichts dagegen“ und die Zehn für „Ich bin völlig dagegen“. Diese Stimmen beinhalten somit den individuellen Widerstand (man nennt sie Widerstand-Stimmen, kurz: W-Stimmen oder WIST). Nachdem jeder Teilnehmer alle Vorschläge seinem Interesse entsprechend bewertet hat, werden die W-Stimmen bei jedem Vorschlag zusammengezählt und jener von ihnen gilt als konsensiert, welcher den niedrigsten Gesamtwiderstand besitzt.
[Bild: unbenanntfuq.png]

Wie wurde bisher immer abgestimmt?
Jeder von uns kennt die Methode der demokratischen Mehrheitswahl: hierbei werden bei einer Fragestellung einige Wahlmöglichkeiten aufgestellt und jeder darf seine Stimme nur für das Konzept abgeben, welches seinem Interesse am ehesten entspricht.
Dieser Weg hat folgende Schwächen:
- Das Interesse bzw. die Anlehnung jedes Wahlbeteiligten zu den restlichen Konzepten wird ignoriert.
- Somit ist es unwahrscheinlich, dass das Ergebnis das Gruppeninteresse repräsentiert.
- Die Entscheidung ist zwar zugunsten einer relativen Mehrheit, jedoch meist gegen das Interesse der absoluten Mehrheit.
- Minderheiten werden in der Gruppe daher vollständig ignoriert.
- So werden oft Konflikte in der Gruppe ausgelöst.
- Die Entscheidung wird von der Gruppe oft nur schwer akzeptiert.
- Es ist kaum möglich einen Konsens zu finden, weil er gar nicht gesucht wird.



Lektion 2: Mehrheitswahl vs. Konsensieren


Ein Beispiel
Vier Freunde wollen zusammen essen gehen. Es werden vier Restaurants vorgeschlagen: ein chinesisches, ein griechisches, ein italienisches und eines mit steirischen Spezialitäten. Wie bei überzeugten Demokraten üblich, stimmen sie nach der Mehrheitswahl ab.
Hier das Ergebnis:
[Bild: unbenanntugd.png]
Die Entscheidung ist eindeutig, das griechische Restaurant hat mit zwei Stimmen die relative Mehrheit.
Nun wendet allerdings Rainer ein, er hätte Probleme mit der Galle und würde das zumeist fette Essen in griechischen Restaurants nicht vertragen, er möchte also wirklich nicht beim Griechen essen.

Wie können sich die Freunde in so einer Situation entscheiden? Sollen sie versuchen Rainer zu zwingen, ins griechische Restaurant zu gehen, weil die Mehrheit es beschlossen hat?
Würden die Freunde so handeln, wäre die Stimmung beim Restaurantbesuch sicherlich gestört, vielleicht sogar die Freundschaft gefährdet.

Vermutlich kennt jeder derartige Situationen und weiß, dass Freunde, die einander achten, die gegenseitige Ablehnung einbeziehen müssen, damit sich nach der Entscheidung auch alle wohlfühlen.

Jetzt melden Aaron und Volker Bedenken gegen chinesisches Essen an, welches ihnen nicht besonders schmecken würde und dann wendet Xaver gegen das steirische Restaurant ein, er sei dort letztes Mal unfreundlich bedient worden:
[Bild: Beispiel_Restaurants_alle.jpg]
Als man schließlich die Meinungen zum Italiener einholt, stellen alle fest, dass ihnen italienisches Essen recht gut schmecke. Niemand hat ernsthafte Einwände dagegen und man beschließt, ins italienische Restaurant zu gehen.

Die vier Freunde haben zuerst nach der Mehrheitswahl abgestimmt und kamen nur dann weiter, als sie ihre individuellen Abneigungen miteinbezogen. Durch diesen Umweg haben sie also doch noch einen Konsens gefunden.
Bei diesem Abstimmungsverfahren, der Mehrheitswahl, ist das Einbeziehen individueller Abneigungen jedoch nur möglich, wenn die Gruppe klein ist. Bei größeren Gruppen, oder mehr Wahlmöglichkeiten, wäre es zu aufwändig, sich über alle Abneigungen zu verständigen.

Wie hätten aber die vier Freunde das Problem mit systemischem Konsensieren gelöst?

Wir schauen uns die Situation erneut an. Vier Freunde wollen zwischen vier Restaurants entscheiden. Das machen sie nun, indem jedem Restaurant 0 bis 10 Widerstand-Stimmen vergeben.
- 0 W-Stimmen bedeutet „Ich habe keinen Einwand gegen diesen Vorschlag.“
- 10 W-Stimmen bedeuten „Dieser Vorschlag ist für mich unannehmbar.“
- Zwischenwerte werden nach Gefühl vergeben.
Folgendes Ergebnis entsteht:
[Bild: 69648773.png]
In der Reihe Gruppenwiderstand steht jeweils die Summe aller W-Stimmen für jedes Restaurant. Wie man sofort erkennt, wird das italienische am wenigsten abgelehnt und die Freunde werden sich dort am wohlsten fühlen.

Wäre der Entscheid gleich mit systemischem Konsensieren gelöst worden, hätte man es sich sparen können, lange über seine Motive zu reden und hätte trotzdem die richtige Lösung gefunden.


Ein weiteres Beispiel
Ein Turnverein will einen Wochentag für eine neue Übungseinheit festlegen. Die Sportler entscheiden nach der Mehrheitswahl, an welchem Tag die Einheit stattfinden soll:
[Bild: 17336227.png]
Wie man deutlich sieht, ist die relative Mehrheit für den Montag. Somit wird der Termin für die neue Übungseinheit darauf festgelegt.

Die 67%, die nicht für Montag gestimmt haben, sind empört! Schließlich sind sie mit 2/3 die absolute Mehrheit! Sie wollen das Ergebnis nicht hinnehmen.

Nun beschließen die Wähler, es mit Konsensieren zu versuchen. Jeder vergibt W-Stimmen für alle Werktage und diese werden bei jedem Tag addiert. Danach wird der Gesamtwiderstand jedes Tages durch die Anzahl der Wahlteilnehmer geteilt und es ergibt sich sog. normierter Widerstand. Dieser sagt aus, welchen Durchschnittswiderstand jeder Wähler für den jeweiligen Tag hat. Anschließend wird jeder normierte Widerstand von 10 abgezogen, wodurch sich jeweils die Akzeptanz ergibt. Zum Abschluss wird diese mit 10% multipliziert, wodurch die Akzeptanz in Prozent entsteht:
[Bild: 47052056.png]
Nun kann man klar sehen, dass der Mittwoch am ehesten akzeptiert wird. Natürlich hätte es auch gereicht, die Gesamtwiderstände zu vergleichen, die Akzeptanz sei hier nur zur Veranschaulichung erwähnt.

Akzeptanz = (10 - Gesamtwiderstand : Teilnehmerzahl) x 10%

Gesamtwiderstand ist die Summe aller W-Stimmen, die ein Konzept von den Wählern bekommt; Teilnehmerzahl ist die Anzahl der Leute, die an der Wahl teilnehmen; die 10 steht für die Grenze der maximalen W-Stimmen, die vergeben werden können; die 10% sind dazu da, die bestehende Akzeptanz als Anteil der maximal möglichen Akzeptanz (100%) aufzuzeigen; Die Akzeptanz letztendlich sagt aus, wie wenig das Konzept von der Gruppe abgelehnt bzw. wie sehr es akzeptiert wird.

Das Fazit aus diesem zweiten Beispiel ist erstens, dass die Mehrheitswahl leicht die falsche Lösung bringen kann, weil die Widerstände völlig ignoriert werden – bei ihr ist Montag hervorgegangen, während es beim Konsensieren der Mittwoch war. Das Zweite ist, dass die Mehrheitswahl systembedingt Streit fördert, wie wir gesehen haben. Dagegen führt systemisches Konsensieren systembedingt zum größtmöglichen Konsens – alle Beteiligten sehen die W-Stimmen-Vergabe und sind sich sofort einig, dass das Ergebnis dem Wunsch der Gruppe am ehesten entspricht. So wird Streit systemisch verhindert und wenn er besteht, wird er aufgelöst.


Zerstreuungsprinzip
Ein weiterer großer Unterschied zwischen der Mehrheitswahl und dem SK-Prinzip ist, dass die Mehrheitswahl nur dann befriedigende Ergebnisse liefern kann, wenn sehr wenige Alternativen vorliegen. Demgegenüber ist das systemische Konsensieren auf die Meinungsvielfalt ausgelegt - es ermöglicht vor allem aus vielen Alternativen diejenigen zu finden, die am wenigsten auf Ablehnung stoßen.

Zum Abrunden dieser Lektion werden wir dieses Phänomen genauer betrachten.

[Bild: unbenanntiri.png]
In den beiden oberen Diagrammen wurde jeweils eine Wahl nach Mehrheitsprinzip durchgeführt. Fragestellung und Teilnehmerzahl waren in beiden Fällen gleich. In dem kleinen linken Diagramm standen 10 Vorschläge zur Wahl, im großen rechten die gleichen, nur kamen noch 5 weitere dazu. Die Vorschläge sind jeweils auf der x-Achse dargestellt, ihr Wähleranteil in % auf der y-Achse.

Im ersten Diagramm sehen wir, dass der Vorschlag #10 25% Stimmen bekommen hat, was die relative Mehrheit bildet. Der Vorschlag #9 hat dagegen nur 20% Stimmen. So ginge in dem Fall Vorschlag #10 als Sieger hervor.
Im zweiten Diagramm fällt jedoch auf, dass Vorschlag #9 nun 18% Stimmen und Vorschlag 10 nur noch 15% hat. Das heißt, dass sich in diesem Fall durch die 5 neuen Vorschläge das Ergebnis geändert hat, obwohl keiner der 5 neuen Vorschläge gewonnen hat. Doch warum?

Das Zerstreuungsprinzip besagt, dass ein gutes Konzept bei einer Entscheidungsmethode niemals seine Position in der Rangliste ändern darf, wenn neue Wahlmöglichkeiten hinzugefügt werden, welche selbst alle schlechter abschneiden.

Dies widerspricht der Mehrheitswahl. Grundsätzlich kann man sich die Zerstreuung bei ihr so vorstellen, dass durch die größere Breite an Vorschlägen die 100% Wähler entsprechend runtergedrückt werden, was das Ergebnis beeinflusst. Dies erklärt aber nicht warum ein anderer Vorschlag gewann.

Die Datenbasis der Diagramme für das obige Beispiel ist frei erfunden, doch es lässt sich leicht eine mögliche Erklärung für das real bestehende Phänomen finden:
Stellen wir uns vor, die fünf hinzugekommenen Vorschläge im zweiten Diagramm wurden so gewählt, dass der Vorschlag #11 dem Vorschlag #10 ähnelt. Dadurch muss sich der Wähleranteil nun auf Vorschlag #10 und #11 systembedingt zerstreuen. In Diagramm #2 wurden dadurch die Vorschläge 10 und 11 zu relativen Minderheiten, da Vorschlag 9 mit 18% die relative Mehrheit hat. Somit kann es zu vollständigem Ignorieren guter Vorschläge bei der Mehrheitswahl durch ähnliche Vorschläge hinauslaufen.

Schauen wir uns aber nun das Ergebnis des obigen Beispiels an, wenn konsensiert würde.

[Bild: unbenannt2bx.png]
Sowohl im ersten als auch im zweiten Diagramm ist der Vorschlag #10 mit 11 W-Stimmen der Sieger. Die neuen Vorschläge haben keine Möglichkeit, einen guten Vorschlag unberechtigt wegzudrängen – sondern nur dann, wenn sie selbst auf weniger Ablehnung stoßen. Denn beim SK-Prinzip wird jeder Vorschlag auf der Skala von 0 bis 10 bewertet und somit kann nichts zerstreuen.

Die oben hinzugefügten Vorschläge beim Konsensieren können aber durchaus zu einer Veränderung des endgültigen Wahlergebnisses führen, auch wenn sich die Widerstände der guten Vorschläge nicht ändern (siehe Lektion 5, „Sieg der Mischlösung). Diese Tatsache widerspricht aber keineswegs unserer obigen Definition des Zerstreuungsprinzips, da die guten Vorschläge in der Rangliste auf ihrer Position verbleiben. Die Mischlösung ist, wie im Weiteren erklärt werden wird, eine qualitativ höherwertige Lösung, die in keiner Weise mit dem Zerstreuungsprinzip im Konflikt steht.

Der Anzahl der Vorschläge sind beim SK-Prinzip somit keine Grenzen gesetzt. So haben auch Minderheiten immer die Möglichkeit, einen Weg vorzuschlagen, der ihre eigenen Interessen berücksichtigt, von dem Rest der Gruppe aber auch nicht akzeptiert wird.


Warum beim SK die Ablehnung gemessen wird
Bestimmt stellen sich bis hierhin viele Leser die Frage, warum in diesem System die Ablehnung gemessen werde. Tatsächlich besteht beim SK-Prinzip das Ziel darin, eine Entscheidung zu finden, welche dem Konsens am Nächsten kommt. Der Konsens kann aber, gemäß seiner Definition, niemals über die Zustimmung gemessen werden, sondern nur über die Ablehnung. Nun hat sich in der praktischen Anwendung des SK-Prinzips außerdem gezeigt, dass solch eine umgedrehte Skala zusätzlich Machtkämpfe vermeidet. Dadurch, dass die Null „kein Widerstand“ und die Zehn „totale Ablehnung“ verinnerlichen, versucht niemand in der Gruppe, möglichst viele Punkte für seinen Vorschlag zu gewinnen, was wieder Machtkämpfe fördern würde , sondern die Ablehnung der Anderen durch faire Kompromisse zu verringern.



Lektion 3: Grenze des Zumutbaren


Wir stellen uns vor, wir hätten in einer Problemstellung konsensiert. Dabei haben wir den bestehenden Lösungsvorschlägen den Vorschlag „Alles soll bleiben wie es ist“ hinzugefügt, dass also hierbei in unserem Problem keine Änderung erfolgen soll. Dies ist die sogenannte Null-Lösung. Die normierten Widerstände aller Konzepte wurden in einem Lösungsband sortiert:
[Bild: 96190288.png]
Oben befinden sich Vorschläge mit dem geringsten, unten mit dem größten Widerstand. Je weiter oben ein Konzept ist, umso näher liegt es somit am Konsens. Man sieht vier Konzepte, die über der Null-Lösung sind (grün). Die Folgerung ist, dass wir nur die Lösungen überhaupt in Betracht ziehen werden, die einen kleineren Widerstand haben, als die Null-Lösung - also eben die oberen vier. Denn alles, was von uns mehr abgelehnt wurde, als alles zu lassen wie es ist, kommt logischerweise gar nicht in Frage. Die Null-Lösung stellt somit die Grenze des Zumutbaren für eine Gruppe dar.
In Lektion 1 haben wir gelernt, dass nur das Konzept gewinnt, welches des niedrigsten Widerstand besitzt, also Rang 1 in dem Lösungsband. Die Konzepte, die besser als die Null-Lösung abschneiden, können bei Bedarf auch alle in Kraft treten, solange sie sich nicht widersprechen (siehe Lektion 5 „Sieg der Mischlösung“).
Es kann auch mehr als eine Null-Lösung formuliert werden, z. B. der Vorschlag „Wir werden das Problem später lösen“. Null-Lösungen sollten jedoch möglichst nicht absolut formuliert werden, wie z. B. „Alles soll immer so bleiben wie es ist“.



Lektion 4: Selbstreinigung


Machtorientierte Menschen könnten versuchen, der eigenen Wunschlösung zum Durchbruch zu verhelfen, indem sie dieser 0 W-Stimmen geben, alle anderen Vorschläge jedoch mit 10 ablehnen (→ strategisches Konsensieren). Dadurch schneiden sich diese Menschen jedoch oft ins eigene Fleisch.
Wir betrachten dafür ein Beispiel: Eine Familie - die Eltern und ihre zwei Kinder - sitzen am Mittagstisch. Es soll entschieden werden, was es als Nächstes zu essen geben soll. Die Familie konsensiert dafür zum ersten mal und die Kinder beschließen, strategisch zu Konsensieren:
[Bild: 66641327.png]
Gemüselaibchen wurden konsensiert. Nun beginnt das Protestgeheul der Kinder: sie mögen beide die Laibchen überhaupt nicht und keiner ihrer Wünsche ist zum Zuge gekommen. Aber warum?

Wer alle anderen Vorschläge, außer dem eigenen, undifferenziert mit jeweils 10 W-Stimmen ablehnt, vergibt oft seine Chance, die Entscheidung positiv für sich zu beeinflussen, falls der eigene Vorschlag nicht zum Zug kommt. Er überlässt die Entscheidung somit oft den Anderen.
In der Abbildung sehen wir, dass das Ergebnis tatsächlich so aussieht, als hätten nur die Eltern konsensiert.

Die Eltern erklären den Kindern diese Zusammenhänge. Die Kinder verstehen sofort, und ihrem Wunsch entsprechend wird nochmal konsensiert. Diesmal geben sie nur den Speisen 10 W-Stimmen, welche ihnen wirklich weh tun. Sie haben verstanden, dass man beim Konsensieren seine eigenen Interesse am besten vertritt, wenn man die Vorschläge der anderen nach den eigenen Bedürfnissen abgestuft bewertet. Es entsteht dieses Ergebnis:
[Bild: 42393070.png]
Nun sind sogar die Kinder zufrieden! Da der Sohn jetzt ehrliche 4 W-Stimmen für den Fitness-Teller gab, wurde dieser konsensiert und es gibt die geringste Unzufriedenheit in der Familie.
Wer strategisch konsensiert, liefert weniger Entscheidungsinformation und riskiert eine faktische Enthaltung. Somit schaden sich Egoisten beim SK oft genug selbst. Deshalb ist Konsensieren ein machtfreies Entscheidungsinstrument!



Lektion 5: Auswerteverfahren


Bevor beim Konsensieren die W-Stimmen vergeben werden, muss sich die Gruppe über das zu verwendende Auswerteverfahren einig sein. Bisher gingen wir davon aus, dass die Lösung mit dem geringsten Gesamtwiderstand als konsensiert gilt. Wenn jedoch Lösungen in komplexeren Problemstellungen gesucht werden, kann sich die Gruppe auf ein anderes Auswerteverfahren einigen. Dies kann in bestimmten Fällen essentiell sein.
Theoretisch sind unendlich viele Auswerteverfahren möglich, einige wichtige davon werden im Folgenden aufgeführt.

Sieg nach Rang
Der normale und einfachste Fall ist, dass jener Lösungsvorschlag angenommen werden soll, welcher den geringsten Gesamtwiderstand bzw. den geringsten normierten Widerstand bzw. die größte Akzeptanz hat. Diese Kriterien sind prinzipiell identisch, wenn also ein Vorschlag eines davon erfüllt, erfüllt er gleichzeitig auch zwingendermaßen die beiden anderen.

Rangsieg mit Akzeptanzgrenze
Dem Rang-1-Konzept kann jedoch auch eine Bedingung gestellt werden, z. B. indem man eine Akzeptanzgrenze festlegt, die erst überschritten werden muss. Hierdurch kann dafür gesorgt werden, dass nur dann tatsächlich eine Entscheidung beschlossen wird, wenn sie auch ausreichend gewünscht wird.

Verhalten zur Null-Lösung

Das Auswerteverfahren kann auch so beschlossen werden, dass eine Lösung nach dem Konsensieren erst dann auch als tatsächlich beschlossen gilt, wenn ihr Widerstand ein bestimmtes Verhältnis zum Widerstand der Null-Lösung vorweist, oder wenn zwischen ihren normierten Widerständen eine ausreichende Differenz vorliegt.
Z. B. ließe sich festlegen, dass ein Lösungskonzept mindestens 40% weniger Widerstand haben müsse, oder ihr normierter Widerstand mindestens um 1,5 W-Stimmen niedriger sein, als der, der Null-Lösung.

Der Effekt wäre ähnlich wie bei der Akzeptanzgrenze. Bei solchen Grenzen-Festlegungen darf jedoch nicht vergessen werden, dass durch sie strategisch konsensierende Teilnehmer den Entscheidungsprozess absichtlich versuchen könnten, zu blockieren.


Sieg der Mischlösung

Hierbei wird erst das Konzept des ersten Rangs herangezogen. Dieses bleibt jedoch nicht starr, sondern wird mit bestimmten Aspekten ergänzt.
Es werden alle Lösungsvorschläge betrachtet, welche weniger abgelehnt wurden als die Null-Lösung. Von diesen werden Lösungsansätze gesucht, welche dem Inhalt des Rang-1-Konzepts nicht widersprechen und werden diesem hinzugefügt. Die Aspekte der besseren Konzepte werden dabei bevorzugt. Das entstandene Mischkonzept wird angenommen.
Dabei können theoretisch auch mehrere unterschiedlich rekombinierte Mischkonzepte entstehen. Ist dies der Fall, kann ein neues Auswerteverfahren festgelegt und über die neu entstandenen Wahlmöglichkeiten neu konsensiert werden.



Lektion 6: Kooperative Entscheidungsfindung


Bisher haben wir das SK-Prinzip auf einfache Alltagssituationen angewendet. Es kann aber in vielen Bereichen des Lebens ebenso erfolgreich benutzt werden - vor allem auch dort, wo die Kreativität der Teilnehmer zur Lösungsfindung beitragen soll.

Konsensieren für Kinder
Z. B. könnte man in Kindergärten die Kinder konsensieren lassen, um zu entscheiden, welches Spiel als nächstes gespielt werden soll. Hierzu werden jedem Kind Kärtchen mit verschiedenen Bildern ausgedruckt, welche abgestufte Widerstände symbolisieren. Nun kann die Betreuerin die Kinder fragen, ob sie dieses oder jenes Spiel spielen möchten, und die Kinder heben je nach Wunsch eine Karte zu jedem Vorschlag. Die Betreuerin leitet aus den Bildern Zahlen und rechnet auf einem Zettel aus, was am wenigsten abgelehnt wird.
[Bild: unbenanntgvf.png]

Konsensieren für Jugendliche
Jugendliche könnten Konsensieren an ihren Schulen anwenden, um kooperativ Entscheidungen zu treffen. Voraussetzung wäre natürlich eine Zulassung der Schulleitung. So könnten die Schüler z. B. entscheiden, welche Klassenausflüge unternommen werden, oder welche Baupläne für neue Einrichtungen an der Schule beschlossen werden.

Durch die bereits in der Kindheit erfolgende Anwendung des SK-Prinzips lernen Kinder diese Methode schnell und bekommen den Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg. Mit diesem können sie künftig in Gruppen leichter und besser kooperativ Entscheidungen finden.


Konsensieren in hierarchischen Strukturen
Wie im Falle der Jugendlichen an den Schulen kann auch in allen möglichen Betrieben mit Hierarchie systemisch konsensiert werden. Wenn der Firmenchef seinen Angestellten gestattet, für die Lösung eines Firmenproblems zu konsensieren, können diese ihrem Chef das Ergebnis vorlegen. Dies würde auf allen Ebenen positive Entwicklungen hervorrufen, denn die Kreativität der Angestellten wäre miteinbezogen, der Chef hätte ein genaues Interessenbild seiner Arbeiter und es könnten Entscheidungen zugunsten aller getroffen werden, was nicht zuletzt auch für die ideale Arbeitsatmosphäre sorgte. Natürlich dürfte der Firmenleiter die Entscheidung auch nicht zugunsten des Interesses seiner Mitarbeiter treffen, er würde sich jedoch gezwungen fühlen, dies gut zu begründen.

Konsensieren in der Politik
Auch hier kann das SK-Prinzip die gemeinsame Entscheidungsfindung erheblich verbessern. Mehrheitswahlen in der Politik sorgen für Machtkämpfe und stören die Atmosphäre. In einer sog. „Systemischen Konsenskultur“ gäbe es jedoch keinen Mehrheitswettkampf, da beim Konsensieren auch noch so kleine Parteien durch überlegte Kompromissbereitschaft im Parlament den Vorschlag mit der geringsten Ablehnung erzielen könnten. Dies würde helfen, die Entscheidungen der Abgeordneten optimal und friedlich zu treffen, vor allem aber dadurch mehr dem Volk zu dienen.



Lektion 7: Erfolgsfaktoren


Im folgenden werden einige Erfolgsfaktoren beim Konsensieren erläutert. Sie sind vor allem theoretischen Charakters und müssen in der praktischen Anwendung nicht immer von Bedeutung sein. Diese Lektion dient lediglich dem umfassenderen Verständnis des Lesers.

Viele Wahlmöglichkeiten
Je mehr Lösungen zur Wahl stehen, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit - denn unter vielen ist wahrscheinlicher eines, welches konsensnäher ist, als bei wenigen Lösungen. Bei diesem Erfolgsfaktor ist in erster Linie egal, wie die Qualität einzelner Konzepte ist. Denn alle Lösungsvorschläge werden bewertet und sollte dort einer sein, welcher dem Konsens fern ist, wird dieser einfach abgelehnt und kann gar nicht erst die Entscheidung negativ beeinflussen. Theoretisch sind also viele Wahlmöglichkeiten niemals kontraproduktiv, in der Praxis müssten bloß die Grenzen der Kreativität und Geduld der Teilnehmer berücksichtigt werden.

Gute Wahlmöglichkeiten
Viel wichtigerer Erfolgsfaktor ist aber die Qualität einzelner Vorschläge. So sollte eine sehr gute Lösungsstrategie unvergleichbar produktiver sein, als viele halb so gute. Ein weiteres Argument für die Wichtigkeit dieses Erfolgsfaktors ist, dass beim SK vor der Abstimmung festgelegt werden kann, dass das Mischkonzept gewinnt (siehe Lektion 5 „Sieg der Mischlösung“). Dadurch wären viele gute Lösungen auch wertvoll, selbst wenn sie nicht den ersten Rang in dem Lösungsband besetzten.

Viele und gute Wahlmöglichkeiten zu finden erfordert ausreichend viel Zeit. Hektik ist beim Konsensieren daher sehr kontraproduktiv.

Hohe Repräsentanz des Wahlergebnisses
Bei denkbaren großflächigen Entscheidungen könnte nicht immer jeder Wahlberechtigte auch teilnehmen. Hier wäre zu beachten, dass ein Wahlergebnis umso mehr das Interesse aller Wahlberechtigten (→ Grundgesamtheit) repräsentiert, je mehr Wahlberechtigte auch tatsächlich an der Wahl teilnehmen (→ Stichprobe). Desweiteren ist anzumerken, dass die Repräsentanz eines Wahlergebnisses auch von der Zusammensetzung der Wahlteilnehmer anhängt. Die Interessen der Wahlteilnehmer müssen bei Stichproben möglichst zufällig verteilt sein. Zufall ist deshalb wichtig, weil eine Stichprobe aus einer bestimmten Interessegruppe leicht eine nicht repräsentative Entscheidung für die ganze Grundgesamtheit liefern kann.

Ehrliches Bewerten
Dieser Erfolgsfaktor beinhaltet zwei Aspekte. Einerseits ist es für die erfolgreiche Konsensfindung wichtig, dass alle Teilnehmer nicht versuchen strategisch zu konsensieren (siehe Lektion 4). Dadurch könnten sich einzelne Personen bei Glück einen Vorteil entgegen dem Gruppeninteresse verschaffen, aber auch Pech haben und sich faktisch enthalten, was den Entscheidungsprozess jedoch ebenfalls negativ beeinflusse.
Zweitens schließt dieser Erfolgsfaktor das Bewusstsein der Wähler ein, wie man richtig konsensiert, was genau die Konzepte sind und welche Konsequenzen diese hätten. Dafür ist es bei komplexeren Problemen meist nötig, konkrete Argumente für und gegen jedes Konzept einzuholen (dies kann auch zu neuen Lösungsvorschlägen führen, was den Erfolgsfaktoren „Viele Wahlmöglichkeiten“ und „Gute Wahlmöglichkeiten“ zugute käme.)
All dies müsste natürlich vor der Vergabe der W-Stimmen erfüllt werden.

Vertrauensbasis
Systemisches Konsensieren funktioniert umso besser, je mehr Vertrauen die Teilnehmer in das System haben. Dann wird weniger versucht seine eigenen Interessen durchzusetzen und mehr die Ablehnung anderer zu berücksichtigen. Denn wer das SK-Prinzip kennt, weiß, dass er seine eigenen Interessen dann am besten durchsetzen kann, wenn er die Widerstände Anderer anhört und in eigenen Vorschlägen berücksichtigt.
Das Vertrauen muss aber auch in einen möglicherweise eingesetzten Moderator gegeben sein, welcher die Gruppendynamik lenkt oder die W-Stimmen zählt und auswertet. Ggf. sollte für die Vertrauensbasis Wert auf Transparenz gelegt werden, was beim SK nicht zwingendermaßen mit einem Verzicht auf Anonymität einhergehen muss.

Breite Skala
Beim SK-Prinzip ist die W-Stimmen-Skala antiparallel zu der aus Verfahren, welche die Zustimmung messen. Die kann man auch umdrehen, um die Akzeptanz zu messen (Lektion 2, „Ein weiteres Beispiel"). Der Grund für die ungewohnte Richtung der Stimmenskala beim SK-Prinzip wurde im letzten Absatz von Lektion 2 beschrieben.
Für eine höhere Erfolgsquote beim Konsensieren ist jedoch nicht die Richtung der Skala wichtig, sondern die sog. Variationsbreite:

Variationsbreite=Maximalwert-Minimalwert

Z. B. ist in einer Gruppe von Leuten, in der der Größte 1,90m und der Kleinste 1,65m groß ist, die Variationsbreite gleich 1,90m-1,65m=0,25m. Die Anzahl der Personen ist dabei irrelevant. Bei der Stimmen-Skala im SK-Prinzip ist die Variationsbreite der Bereich zwischen 0 und meistens der 10, also 10-0=10. Unabhängig von der Richtung der Skala.

Die Theorie hinter diesem Erfolgsfaktor ist, dass wenn man beim Konsensieren nur W-Stimmen von 0 bis z. B. nur 3 vergeben dürfte, die tatsächliche Ablehnung nicht genau vergeben werden könnte, sondern auf die nächst passende, wählbare Zahl innerhalb der Variationsbreite gerundet werden müsste. Dadurch entstehen Ungenauigkeiten bei den Widerständen der Wähler, die sich in der späteren Auswertung aufsummieren. Diese können sich ausgleichen, aber auch aufstapeln und das Ergebnis verfälschen.
Umgekehrt ist es statistisch gesehen gut, wenn beim SK eine breite W-Stimmen-Skala verwendet wird, die also einen hohen Maximalwert erlaubt. Dann kann jeder Wahlteilnehmer Stimmen vergeben, die seiner tatsächlichen Widerstandsstufe näher kommen.
Unabhängig davon wäre es im Extremfall aber ein formelles Problem, wenn die Variationsbreite extrem hoch festläge. In der Praxis des SK-Prinzips hat sich eine Variationsbreite von 10 als vollkommen hinreichend erwiesen.

Keine Stimmenvergabe nach der Auswertung (Erfolgsvoraussetzung)
Beim Konsensieren darf es nicht passieren, dass Teilnehmer W-Stimmen vergeben, während sie die Vergabe der anderen Mitglieder wissen. Diese Bedingung läge vor, wenn z. B. ein aktuelles Wahlergebnis offen liegt, während weitere Teilnehmer dazukommen und sich nachtragen dürften. Wenn nämlich jemand sehen würde, dass ein bestimmter Vorschlag hohe Akzeptanz hat, welcher nicht seinen eigenen Wünschen entspricht, würde er versuchen ihn strategisch runterzuziehen. Wenn alle Teilnehmer immer gleichzeitig konsensieren, bzw. das Wahlergebnis erst nach den letzten W-Stimmen bekanntgegeben wird, kann keiner genau wissen wie der Stand ohne ihn sein würde und hat keine Möglichkeit alles strategisch abzulehnen, ohne eine faktische Enthaltung zu riskieren.



Lektion 8: Methodik


Im folgenden werden drei Methoden des systemischen Konsensierens erläutert. Die erste ist schnell und grob, die zweite ist das gewöhnliche, bisher beschriebene Konsensieren. Die dritte ist letztendlich die viel aufwendigste und besitzt die höchste Erfolgsquote. Sie greift außerdem auf die beiden ersten Methoden zurück. Außerdem gilt bei allen Methoden des SK grundsätzlich gleiches Stimmgewicht für alle Teilnehmer.


Schnellkonsensieren
Diese Anwendung des SK-Prinzips ist, wie der Name vermuten lässt, die schnellste und hat den geringsten Aufwand. Sie kann genutzt werden, wenn viele Leute einfach Konsensieren sollen, am besten, wenn bereits zufriedenstellende Lösungsstrategien vorliegen.
Das Prinzip ist immernoch das Messen der Ablehnung in der Gruppe für die Lösungsansätze. Der Unterschied ist jedoch, dass es keine W-Stimmen-Skala von 0 bis 10, sondern von 0 bis 2 gibt. Diese W-Stimmen werden nicht auf Papier geschrieben sondern mit Handheben gezeigt:
- keine Hand → keine Ablehnung
- eine Hand → mäßige Ablehnung
- zwei Hände → hohe Ablehnung
So sind Papier und Stift nicht nötig und es kann bei kleinen Fragestellungen kurz durch Handheben ein Bild davon gemacht werden, wie die Gruppe zu den Vorschlägen steht.
Schnellkonsensieren ist für sehr kleine Gruppen nicht immer geeignet, da die Variationsbreite so klein ist (siehe Lektion 7, „Breite Skala“ und „Hohe Repräsentanz des Wahlergebnisses“). Dadurch könnte ein falsches Ergebnis erzielt werden. Weil Schnellkonsens aber so schnell erreicht ist, ist er gerade bei kleinen Problemstellungen und nicht ganz kleinen Gruppen nützlich.



Auswahl-Konsensieren
Das Auswahl-Konsensieren ist das, wir in den Beispielen bisheriger Lektionen angewendet haben. Die Ablehnung jedes Wählers zu jedem Vorschlag wird auf einer Skala von 0 bis 10 gemessen. Hierbei gibt es im Gegensatz zum Schnellkonsens mehr Raum zum Abstufen der Widerstände.
Hier kann man bei einfachen Fragestellungen schnell einige Vorschläge sammeln und sofort auf einem Zettel konsensieren. Bei komplexeren Problemen ist es aber oft sinnvoll, Argumente für und gegen die Vorschläge einzuholen, möglicherweise Alternativlösungen daraus abzuleiten und erst dann zu Konsensieren (bzw. erneut, vgl. Vertieftes Konsensieren Schritt XI).
Auswahl-Konsensieren kann bei Bedarf auch anonym erfolgen, indem die W-Stimmen von einer weiteren Person, die der jeweiligen Fragestellung neutral gegenübersteht, ausgewertet werden.


Vertieftes Konsensieren
Diese Methode wird von einem Moderator nach einer Anleitung durchgeführt, welche im folgenden aufgeführt wird. Sie ist aufwendig, garantiert bei richtiger Anwendung jedoch gute Ergebnisse und ist daher optimal für wichtige Entscheidungen. Die Anleitung sollte keineswegs als absolute Vorschrift aufgefasst werden, sondern als ein möglicher Weg.

Gute Aussicht auf Erfolg hat man hierbei, wenn
- ein erfahrener Moderator einsetzt wird.
- die Gruppe bereits grundlegende Erfahrungen mit der Anwendung des SK-Prinzips hat.
- für die jeweilige Situation eine möglichst ausreichende technische Ausstattung zur Verfügung steht. Hierzu käme einfaches Papier, Pinnwand, Tafel, Computer mit Beamer oder die entsprechende Online-Konsensierungsplattform in Frage. Wichtig ist dabei, dass die Teilnehmer einen möglichst guten Überblick auf alle Einzelschritte des Vertieften Konsensierens bekommen.

Der Moderator dient nur zur Koordination des gruppendynamischen Prozesses. Er hat vor allem die Aufgabe, mit der Gruppe die Einzelschritte der Anleitung durchzugehen und dabei die Reihenfolge jener Teilnehmer vorzugeben, welche zu sprechen wünschen. Außerdem sollte er der Gruppe zu Beginn den Ablauf und die Regeln klarmachen, und beim Durchführen im richtigen Moment daran erinnern. Er arbeitet mit ihr an jedem Schritt so lange, wie bei ihr Kreativität da ist.
Wenn sich in der Gruppe bei einem beliebigen Schritt eine Uneinigkeit ergibt, wird an den Moderator ein Antrag gestellt und darauf mit Schnellkonsensieren entschieden. Ansonsten darf sich jeder zu Wort melden und sich beteiligen.
Jede Entscheidung wird somit von der Gruppe selbst getroffen.

[Bild: unbenanntujo.png]
I) Aufgabenstellung
Es wird ein Thema formuliert, über das vertieft konsensiert werden soll. Dieses kann für die Gruppe ein Problem, eine Frage, eine Aufgabe oder ein Ziel beschreiben.
Zu aller erst benötigt man natürlich das Thema. Der Teilnehmer, der es nennen möchte, darf es gleichzeitig auch kurz aus seiner Sicht schildern. Der Moderator notiert offen (auf Tafel, Pinnwand...) eine möglichst treffende Überschrift dazu. Der Urheber muss mit der Formulierung einverstanden sein.

II) Übergeordnete Fragestellungen
Es werden W-Fragen formuliert, die am Ende von der Lösung beantwortet werden sollen.
W-Fragen sind Fragen, die z. B. mit „Wie...“, „Was...“, „Wohin...“, „Wodurch...“ anfangen („Wie stellen wir sicher, dass...“, „Was tun wir, um...“). Bei diesem Schritt werden keine Fragen akzeptiert, die mit entweder/oder bzw. mit ja/nein beantwortet werden können. Es muss mindestens eine übergeordnete Fragestellung genannt werden, es können aber auch mehrere sein, solange sie sich nicht widersprechen. Sind es viele, kann man sie in Kategorien ordnen. Der Urheber einer Fragestellung muss mit ihrer offen notierten Formulierung und evt. Kategorisierung vom Moderator einverstanden sein.
Alle Sichtweisen werden nebeneinander stehen. Jeder Teilnehmer kann sich selbst die Fragen aussuchen, deren Antworten ihn am meisten interessieren. Die Vielfalt der Fragestellungen regt jedoch die Kreativität an.

III) Info-Runde
Sämtliche relevante und unbestrittene Informationen, die zur Lösung der genannten Aufgabenstellung, oder der Beantwortung der übergeordneten Fragestellungen vorliegen, werden diskutiert.
Jeder darf nun Informationen einbringen, und kann solche anhören. Der Moderator notiert alles wichtige offen. Informationen können zur Aufgabenstellung, oder zu übergeordneten Fragestellungen Bezug nehmen und entsprechend zusammenhängend notiert werden. Die Gesamtheit aller Informationen sollte möglichst allumfassend sein und nichts wichtiges auslassen.
Es sind vor allem unbestrittene, faktische Informationen erwünscht, Vermutungen sollten als solche erkennbar sein.

IV) Individuelle Sichtweisen / Wünsche
Jeder Teilnehmer äußert nach eigenem Bedarf seine Meinung und alles was ihm beim Thema wichtig ist.
Bei diesem Schritt hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit, seine Interessen und Wünsche, seine Werte und Anliegen bezüglich der Aufgabenstellung, den übergeordneten Fragestellungen und der späteren Lösung zu äußern.
Es ist im Interesse jedes Teilnehmers, seine Sichtweisen nachvollziehbar zu nennen. Umgekehrt ist es im Interesse der zuhörenden Gruppenteilnehmer, sich die Sichtweisen anderer anzuhören. Wer das SK-Prinzip kennt, weiß nämlich, dass sich am Ende nur dann ein Lösungsvorschlag durchsetzen kann, wenn er bei der Gruppe die geringste Ablehnung erzeugt (→ systemische Verhaltensumkehr). Dieser kann aber nur gefunden werden, wenn sich die Gruppe der gegenseitigen Sichtweisen bewusst ist. Daher sollte jeder Teilnehmer selbst ehrlich und offen sein und jeden anderen bei Bedarf seine Sichtweise beschreiben lassen, sogar wenn man sich darüber ärgert.
Jedem Teilnehmer steht bei der Meinungsäußerung Respekt zu und niemand darf auf andere Macht ausüben oder ihnen Vorwürfe machen. Vorwürfe und Schuldzuweisungen aus der Vergangenheit hindern nur den Konsensierungsprozess, welcher die bestmögliche Lösung für die Zukunft zu finden versucht. Daher empfiehlt es sich, sachlich zu bleiben.
Letztendlich hat sich in der praktischen Erfahrung, bei diesem Schritt des Vertieften Konsensierens, gezeigt, dass zu dessen Beginn die Bitte des Moderators an die Gruppe, deren eigene Wünsche zu einer guten Lösung zu formulieren, am produktivsten ist.

V) Lösungssuche
Vorschläge werden gesammelt, die auch nur im Ansatz das Problem lösen.
Jeder Teilnehmer darf mehrere Vorschläge einbringen, auch wenn diese nur einen Teil des Problems lösen. Das Ziel dieses und der nächsten beiden Schritte ist es, ein möglichst genaues Stimmungsbild der Gruppe abzugeben, damit sie später selbst den optimalen Interessenausgleich mit dem letztendlich geringsten Widerstand finden kann. Darum sind auch Lösungsansätze sehr wichtig. Doch auch detaillierte Pläne sind willkommen. Bei diesen sollten Formulierungen möglichst gleich so vorgenommen werden, dass zur Umsetzung nichts nochmal mit Schnellkonsens nachentschieden werden müsste. Wenn detaillierte Vorschläge konkrete Aktionspläne mit Arbeitsteilung beinhalten, sollten sich bereiterklärende Aktivisten direkt bekanntgeben.
Die Teilnehmer können sich nun gegenseitig inspirieren lassen. Sie sollten nicht nur die Aufgabenstellung, sondern auf jeden Fall auch die übergeordneten Fragestellungen, Informationen und individuelle Sichtweisen anderer berücksichtigen. Das Verfahren erlaubt bekanntlich unbegrenzt viele Vorschläge. Daher werden grundsätzlich alle Vorschläge angenommen.
Kritik und Urteile sind an dieser Stelle nicht erwünscht, können vom Moderator auch von vornherein ausgeschlossen werden, wodurch sie erst im nächsten Schritt erlaubt wären. Letztendlich können Vorschläge mit hohem Widerstand nichts bewirken, daher können sie auch nicht schaden.
Alle Vorschläge werden vom Moderator offen und übersichtlich aufgeschrieben. Werden Vorschläge auf irgendeine Weise kategorisiert, müssen die jeweiligen Urheber außer mit der Formulierung auch mit der jeweiligen Kategorie einverstanden sein. Bei weinigen Ideen kann der Moderator die Gruppe ermuntern, neue Vorschläge zu suchen, bestehende zu bestätigen oder zu erweitern.
Als letztes ist noch auf die Null-Lösung hinzuweisen, mindestens eine sollte mitgeführt werden um die Grenze des Zumutbaren festzustellen.

VI) Argumentation und Fragen
Teilnehmer können nun Argumente für oder gegen einzelne Vorschläge nennen. Außerdem ist es hier erneut gestattet, Fragen zu stellen.
Bestehende Fragen zu notierten Vorschlägen, oder sonstige, können nun gestellt und beantwortet werden. Desweiteren hat die Gruppe die Gelegenheit, Pro und Kontra der bestehenden Konzepte zu nennen. In speziellen Fällen können Bedingungen zur Äußerung der Kritik aufgestellt werden, wie z. B.:
- Man darf nur im Namen seiner eigenen Meinung kritisieren, also nicht absolute Formulierungen aussprechen wie „Es ist offensichtlich, dass...“ oder „Wie jeder sehen kann...“, sondern nur „Ich persönlich finde...“ und „In meinen Augen...“ usw.
- Kritik muss in sich schlüssig und verständlich sein, ohne besonderes Wissen vorauszusetzen. Sie darf sich nur auf den jeweiligen Vorschlag beziehen und muss alleinstehend verständlich sein. Sonst kann man bei mehreren Kommentaren, die immer weiter ineinander verzweigt werden, gleich den Überblick verlieren.

Der Gruppe sollte klar sein, dass es im Interesse aller ist, eine möglichst gute Lösung zu finden. Hierfür ist es aber notwendig, sowohl berechtigte Kritik zu äußern, als auch Kritik an eigenen Vorschlägen zuzulassen. Dabei braucht sich niemand angegriffen zu fühlen. Die Gruppe ist selbst für notwendige Kritik verantwortlich und muss selbst entsprechend weiterarbeiten. Jeder Gruppenteilnehmer, dessen Vorschlag negativ kritisiert wurde, hat im späteren Verlauf die Möglichkeit, einen besseren Weg vorzuschlagen.
Kritik kann vom Moderator, insofern die Gruppe es wünscht, offen notiert werden, nachvollziehbar verbunden mit den jeweiligen Vorschlägen. Der Urheber muss mit der Formulierung einverstanden sein. Miss- oder Unverständlichkeiten, die durch Fragen und Antworten durchleuchtet wurden, können bei Bedarf die Vorschläge ergänzen lassen, oder bei Wunsch auch einfach offen notiert werden.

VII) Vorläufige Bewertung
Die bisher registrierten Vorschläge werden mit Auswahl-Konsensieren bewertet.
Wenn alle Vorschläge vorliegen, alle Fragen soweit beantwortet sind und alle bestehende Kritik genannt ist, kann nun das Stimmungsbild der Gruppe in Form eines vorläufigen Lösungsbands bestimmt werden. Alle Vorschläge müssen für jeden Teilnehmer sichtbar sein jeder Vorschlag wird von jedem bewertet. Es wird Auswahl-Konsensieren benutzt: 0 W-Stimmen sind volle Akzeptanz, 10 W-Stimmen sind volle Ablehnung.
Die Lösungsansätze unter den Vorschlägen dürfen nicht als unvollständig aufgefasst und dementsprechend schlecht bewertet werden, sondern jeder muss sie als einen Teil für die spätere Gesamtlösung ansehen und sie diesem Gedanken entsprechend beurteilen.

Der Moderator ist für das Zählen zuständig, kann sich ggf. aber auch helfen lassen. Normierte Widerstände zu berechnen ist sinnvoll. Wichtig ist, dass bei der Auswertung kein Verdacht auf Manipulation der Ergebnisse entstehen kann.
Anschließend wird das Lösungsband offengelegt, in welchem die Vorschläge entsprechend dem normierten Widerstand sortiert sind.

VIII) Erkunden der Restwiderstände
Die Teilnehmer können nun bei Bedarf ihre Bedenken zu bestimmten Vorschlägen äußern. Wer einen Vorschlag gemacht hat, kann die Anderen auch nach den Gründen für dessen Ablehnung fragen.
Jeder, der einen Vorschlag gemacht hat und diesen durchsetzen will, muss nun daran interessiert sein, die Gründe für bestehende Ablehnung zu erfahren. So kann er ihn in den nächsten Schritten durch größeres Entgegenkommen besser platzieren. Auch diejenigen, die ernsthafte Bedenken bei bestimmten Vorschlägen haben, sollten sich Bemühen, dies den anderen Teilnehmern klarzumachen, damit die berücksichtigt werden und am Ende ein möglichst umfassender Interessenausgleich erzielt wird. Jeder Freiwillige darf diesbezüglich in diesem Schritt zu Wort kommen.
Wichtig ist, dass sich die Gruppe bewusst ist, wie entscheidend dieser Schritt des vertieften Konsensierens ist. Wenn hier die Bedenken ausreichend offengelegt werden und man sich entsprechend bemüht, diese nachher zu berücksichtigen, steht einer guten Lösung nichts im Wege.
Vorwürfe oder persönliche Angriffe sollten vom Moderator ausgeschlossen werden. Sachlich zu bleiben ist in dessen Interesse, der sich eine gute Lösung wünscht, denn alles andere lenkt auch hier nur vom Ziel ab.
Der Moderator kann die geäußerten Bedenken bei Wunsch in dem Kritikbereich entsprechend offen notieren.

IX) Vorschläge anpassen
Die Teilnehmer haben nun die Möglichkeit, ihre Vorschläge zurückzuziehen, umzuformulieren, und neue zu erstellen.
Wer seinen Vorschlag nun für mangelhaft hält, darf ihn rausnehmen. Bestehende Vorschläge können auch gelassen oder geändert werden, bei Bedarf auch in verschiedenen Formen. Ganz neue Vorschläge können hinzugefügt werden. Lösungsansätze werden nun sehr interessant, denn aus ihnen und ihrer Ablehnung lassen sich neue kombinierte Gesamtlösungen formulieren.
Natürlich gilt es nun, die Restwiderstände zu berücksichtigen. Wer sie zu seinem Vorteil nutzen will, muss zwingenderweise entsprechend entgegenkommen.

Die nun bestehenden Vorschläge werden vom Moderator offen notiert.

X) Argumentation anpassen und neue Fragen
Bei Bedarf können einzelne Schritte des vertieften Konsensierens nun wiederholt werden.
Zu den neuen Vorschlägen können erneut Fragen gestellt und Pro und Kontra können angepasst werden. Diese Argumente werden vom Moderator wie zuvor dokumentiert.

XI) Endgültige Entscheidung
Zur endgültigen Entscheidung wird erneut Auswahl-Konsensiert.
Wenn die endgültigen Vorschläge bereitliegen, samt Informationen und Kritik, werden sie jedem Teilnehmer sichtbar gestellt. An mindestens eine Null-Lösung ist auch hier zu denken. Dann wird wieder Auswahl-Konsensiert.
Ein neues Lösungsband wird erstellt. Normierte Widerstände werden berechnet.
Hier muss nun geschaut werden, ob die entstandene Gesamtlösung (Rang-1-Lösung, oder eine, die je nach Auswerteverfahren hervorgeht) nahe genug am Konsens liegt bzw. ob ihr Widerstand nicht zu hoch ist. Wenn die entstandene Lösung zu großen Widerstand auslöst, kann der Block der Vorschlagverbesserung (siehe letzte Abb.) nochmal durchgegangen werden, bis bei der endgültigen Entscheidung ein hinnehmbares Ergebnis vorliegt. Mit einer zufriedenstellenden Lösung ist die Aufgabe des Moderators beendet.

Das mehrfache Konsensieren im vertieften Konsens mag vielleicht auf den ersten Blick mit „Keine Stimmenvergabe nach der Auswertung“ (siehe Kapitel 7) im Widerspruch stehen. Tatsächlich sind die Lösungskonzepte beim zweiten Konsensieren anders, sie sind durch die vorherigen Schritte und die vorläufige Bewertung beeinflusst und rekombiniert. Auch wenn einige Konzepte unverändert ein zweites mal zum Konsensieren auf der Vorschlagsliste stehen, kann aus strategischem Konsensieren sehr leicht eine faktische Enthaltung resultieren, weil neue Konzepte dabei sind.
Stattdessen wird durch die vorläufige Bewertung eben das benötigte Abbild des Gruppeninteresses erzeugt, mit Hilfe dessen dann erst die endgültigen Vorschläge gefunden werden können.



Anhang


Wozu konsensieren?
Nach vollständiger Lektüre dieses Dokuments soll noch etwas grundlegendes festgehalten werden. Manch einer könnte sich fragen, wozu man ein sog. „SK-Prinzip“ anwenden solle, wenn man z. B. auch das normale Konsensprinzip in einer Gruppe anwenden könnte, oder sich mit den Leuten einfach kurz austauschen und im einfachem Dialog eine Lösung finden.
Zuerst ist anzumerken, dass das SK-Prinzip an einfachen Entscheidungen überhaupt nicht zwingendermaßen angewendet werden braucht. Probleme, die auch ohne jegliches System zufriedenstellend gelöst werden können, kommen auch ohne System aus. Komplexere Entscheidungen in größeren Gruppen optimal zu treffen, die von der ganzen Gruppe getragen werden sollen, ist jedoch ohne System schwer.
Das Konsensprinzip besagt, dass ein Vorschlag dann als beschlossen gilt, wenn niemand Einwände gegen ihn hat. Dieses Verfahren kann durchaus eine gute Lösung liefern (siehe Lektion 2, „Ein Beispiel“). Doch auch es funktioniert nur in kleinen Dimensionen. Unter vielen Teilnehmern wird sich umso eher eine Einzelperson finden, die ein Veto ausspricht. Und nach dem Konsensprinzip beschlossene Entscheidungen erfüllen systemisch nicht zwingendermaßen irgendwelche Qualitätskriterien.
Das SK-Prinzip liefert hingegen quantitative Ergebnisse (Widerstände), nach denen man exakt urteilen und handeln kann – im Grunde unter allen Umständen. Dies ist nämlich auch das eigentliche Ziel des SK-Prinzips: ein System zu schaffen, in dem man Schritt für Schritt systemisch die größtmögliche Annäherung an den Konsens erzielt, ohne von gutem Willen der Teilnehmer abhängig zu sein.
Übrigens kann man durch das SK-Prinzip auch das herkömmliche Konsensprinzip anwenden, indem man als Auswerteverfahren eine entsprechende Akzeptanzgrenze festlegt.


Wie man zum Konsensieren überredet

Als überzeugter SK-Praktiker kann man manchmal Gruppen begegnen, die sich nicht so leicht mit Argumenten zum Konsensieren überreden lassen. Dieses Problem lässt sich oft folgendermaßen lösen:
Nachdem man sich selbst für eine der SK-Methoden (und ggf. ein Auswerteverfahren) im Hinblick auf das bestehende Problem entschieden hat, schlägt man der Gruppe vor, das SK-Prinzip, wie man es sich überlegt hat, anzuwenden, um anschließend das erzielte Ergebnis dem eigenen Entscheidungsverfahren der Gruppe zur Wahl zu stellen.
Die praktische Anwendung des SK-Prinzips hat gezeigt, dass in allen Fällen die konsensierte Lösung bei der endgültigen Entscheidung der Gruppe wieder gewann.
Dies kann den Widerstand gegen das SK-Prinzip senken.


Erweiterungen
Es gibt einige Abwandlungen und Ergänzungen zum SK-Prinzip, die man in der Praxis verwenden kann:
- Als erstes sei das Einfachste genannt: man kann im selben System statt der Ablehnung einfach die Zustimmung messen. Dies wäre jedoch weder SK, noch Konsenssuche - die Gesetzmäßigkeiten des SK-Prinzips wären hier nicht mehr auf die selbe Weise gültig.
- Wie in Lektion 7 in „Breite Skala“ erklärt, kann es theoretisch nicht schaden, eine hohe maximale Obergrenze für die möglichen W-Stimmen zu setzen. Man kann also, als Erweiterung des klassischen SK, die Skala z. B. von 0 bis 100 festlegen. Was man auch mit dem selben Resultat stattdessen tun könnte, wäre aber auch die Erlaubnis den Teilnehmern, Dezimalstellen bei ihren Widerständen anzugeben. Dies erscheint technisch jedoch unübersichtlich, und könnte wenn, dann bei Computer-Konsensierungen hilfreich sein. Dort könnte man auch Widerstände als Balken grafisch darstellen.
- Beim Schnellkonsens gäbe es die Möglichkeit, eine Gestik über das zwei-Hände-Heben festzulegen, z. B. das Hochheben und gleichzeitige Überkreuzen der Hände. Dadurch wäre die W-Stimmen-Skala von 2 (mit den 3 möglichen Abstufungen 0, 1 und 2) auf 3 (Abstufungen 0, 1, 2, 3) erhöht. Womöglich könnte sich dies in einigen Situationen als nützlich erweisen.


Weiterführendes

Autor:
Vladi Hilgenberg, Jahrgang 1991, wissenschaftlicher Assistent, h.vladi@web.de

Hier finden Sie alle nötigen Informationen zum SK-Prinzip:
http://www.sk-prinzip.net/

Zum sofortigen online-Testen von Auswahl-Konsens testen Sie:
http://www.konsensieren.eu

Wenn sie das SK-Prinzip mit uns unterstützen möchten, können sie uns auf Facebook beitreten:
„Gruppe der Unterstützer des Systemischen Konsensierens“; oder einfach über http://www.facebook.com/groups/aCAMPada/278863705505027/?notif_t=group_activity

Bei Interesse an entsprechender Literatur empfehle ich alle 4 Bücher der Entwickler des SK-Prinzips:
1. Neue Wege zur Verständigung: Der machtfreie Raum, 1982
http://www.amazon.de/Neue-Wege-Verst%C3%...984&sr=8-1
2. Das SK-Prinzip: Wie man Konflikte ohne Machtkämpfe löst, 2005
http://www.amazon.de/SK-Prinzip-Konflikt...880&sr=1-1
3. Systemisches Konsensieren: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg, 2010
http://www.amazon.de/Systemisches-KONSEN...808&sr=8-1
4. Wie wir klüger entscheiden: einfach - schnell - konfliktlösend, August 2011 (kostenlos als pdf)
http://www.sk-prinzip.net/images/stories.../buch3.pdf

Wie man beim Entscheiden vollkommene Transparenz bewahrt, und zugleich ausreichende Anonymität ermöglicht:
http://www.echte-demokratie-jetzt.de/for...hp?tid=380


Quellen
http://www.sk-prinzip.eu/index.php
und oben genannte Bücher
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26.11.2011, 12:33 AM
Beitrag: #2
RE: SK-Prinzip für Anfänger
Nun, weit besser als der normale Konsens, direkt, oder indirekt. Aber hier muß ich ja erst noch regelrecht studieren, wie ich abstimmen kann, oder wie dies funktionieren soll. Und dies soll ja gar noch nur für Anfänger sein.....

Ich will doch nur Abstimmen - und wo ist hier der große Unterschied dessen, ob es einige bis viele Vorschläge gibt, und diese zur Auswahl stehen abgestimmt zu werden - welche ich auch zunächst ggf. studieren muß, aber bei sk muß ich gar erst noch studieren, was das sk genau ist, ehe ich dann auch über eine Sache selbst abstimmen kann. Und selbst beim sk, wird es künftig dann doch sicher auch mehrere Möglichkeiten geben, was zur Auswahl steht, oder meinst nicht ?

Deine Signatur jedenfalls finde ich genial - aber ich fürchte, auf dem Wege des sk könnten wir uns gar selbst einander aufhalten.

ich hoffe, der Konsenz mit Vetorecht wird nicht zur Diktatur genutzt, oder zugelassen - das kann jedoch sehr leicht passieren.
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26.11.2011, 03:10 PM
Beitrag: #3
RE: SK-Prinzip für Anfänger
ich kann deine kritik leider nicht nachvollziehen. um das sk benutzen zu können musst du nur lektion 1 "grundlagen" kennen. du musst nur wissen dass jeder jeden vorschlag bewertet von 0 bis 10, wobei 0 volle akzeptanz und 10 volle ablehnung bedeutet. ist dies zu schwer?

deinen zweiten absatz verstehe ich genauso wenig. beim sk können beliebig viele vorschläge gesammelt werden und bewertet. dies ist beim mehrheitsentscheid nicht möglich, denn je mehr vorschläge da sind, desto kleiner die relative mehrheit.

hat meine antwort in irgendeiner weise geholfen?

Eine Idee kann man nicht töten. Sie ist kugelsicher.
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28.11.2011, 12:27 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.11.2011 12:39 PM von Pumuckel42.)
Beitrag: #4
RE: SK-Prinzip für Anfänger
Meine Meinung:

Das systemische Konsensieren ist zwar eine tolle Abstimmungsmethode, die aber von einer Mehrheit m.E. nicht erfasst/begriffen wird und deswegen ein Akzeptanzproblem hat.

Was wirklich toll ist: Das Zersplitterungsmodell funktioniert beim systemischen Konsensieren nicht:
Beispiel: Entscheidung zwischen gelb und blau: Beim herkömmlichen Mehrheitssystem reichen diejenigen die gelb wollen, Vorschläge für hellblau, königsblau und dunkelblau ein. Folge: Wenn eigentlich 6 von 1o für blau stimmen, gewinnt trotzdem gelb mit 4 Stimmen, weil jeweils 2 für hell-, königs-, und dunkelblau gestimmt haben. Vor dieser Manipulation ist der systemische Konsens geschützt.

Aber: Zu 4: Lektion #4: Selbstreinigung

Machtorientierte Menschen könnten sich im strategischen Konsensieren versuchen, indem sie "andere Vorschläge jedoch mit je 10 ablehnen (strategisches Konsensieren). Dadurch schneiden sich diese Menschen jedoch oft ins eigene Fleisch. Denn wenn ihre Wunschlösung nicht konsensiert wird, dann haben Sie mit diesem Stimmverhalten auf ihre Mitentscheidung verzichtet". Das ist zwar vollkommen richtig, nur sind gerade die "Machtorientierten" in ihrer blinden Gier oft nicht in der Lage dies zu erkennen. Die Folge: Diese Gruppe, die ohnehin schon ein erhöhtes Aggressionslevel hat, wird aus Frustration gegenüber einem von ihnen nicht zu verstehenden System noch unberechenbarer und wird sich von dieser Abstimmungsmethode distanzieren und "eigene Wege" suchen.
Kurz: Strategisches Konsensieren ist super, aber nur unter jenen sinnvoll, die das System auch wirklich verstanden haben und annehmen.

Aus meiner Sicht wäre es schon ein Quantensprung demokratischen Verhaltens, wenn nicht immer 10 Füchse und ein Hase entscheiden was auf den Tisch kommt, also die Mehrheitsentscheidung zählt, sondern, da wo es möglich ist, auch Minderheitsetscheidungen durchgesetzt werden. Beispiel: In einem Büro wollen 4 Leutz geschlossene Fenster und einer hätte gerne geöffnete Fenster. Mögliche Lösungsmöglichkeit: Statt Fenster immer zu: 4 Tage Fenster zu und 1 Tag Fenster auf! Das geht natürlich nicht bei "ein bißchen schwanger", "ein bißchen Krieg" oder "ein bißchen Atomkraft". Aber hier stößt auch das systemische Konsensieren an seine methoischen Grenzen!

Trotzdem ist das systemische Konsensieren eine tolle Abstimungsmethode, vielleicht die Beste und auf jeden Fall immer den Versuch wert.
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28.11.2011, 03:22 PM
Beitrag: #5
RE: SK-Prinzip für Anfänger
die komplexität von sk sehe ich nicht als problem. für teinehmer gilt es in erster linie nur die grundlagen zu kennen, die weiteren lektionen sind optional.

"zersplitterungsmodell" funktioniert beim sk tatsächlich nicht, und das ist gut.

im letzten absatz schreibst du von einer schwäche des sk prinzips, welche ich nicht nachvollziehen kann. der mann der das fenster offen haben will, muss in dem fall gefälligst einen kompromis vorschlagen, welchen in der gesamten gruppe auf weniger ablehnung stößt, als sie ganz zuzulassen. schafft er dies nicht, entspricht es auch nicht dem größtmöglichem konsens.

dieser argumentation entsprechend sehe ich bisher immernoch keinen nachteil im sk-prinzip, nach euren beiträgen. wenn mich jemand überzeugen will, braucht er schlagfeste argumente.

Eine Idee kann man nicht töten. Sie ist kugelsicher.
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28.11.2011, 11:56 PM
Beitrag: #6
RE: SK-Prinzip
Hallo Poly,

natürlich reichen die Grundlagen aus um das Systemische Konsensieren zu verstehen und mitzumachen, aber viele Menschen sind so unterwegs: "Ich will, entweder ... oder" ... und bei diesen Charakteren beißt Du mit abwägenden Modellen, die den größten gemeinsamen Konsens herauskristallisieren auf Granit. Dieses Verhalten muss man nicht verstehen und annehmen, aber akzeptieren, weil man daran nichts oder nur sehr schwer etwas ändern kann. Insbesondere diese Gruppe macht schnell zu und kontert mit dem Totschlagargument: "Du hast ja keine Ahnung!" ... und dann wird´s schwierig.

Das spricht jetzt auf gar keinen Fall gegen das Systemische Konsensieren ... es geht nur um die Problematik eine große Gruppe dafür zu begeistern. Wie ich schon sagte: Probieren sollte man es auf jeden Fall und es ist auch ein Entscheidungsmodus der "Ersten Wahl".

Manchmal geht es nicht um Kompromisse und "schlagfeste" und überzeugende Argumente, sondern einfach nur um Respekt vor anderen Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten, die auch gelebt werden wollen, sollen, können und dürfen .... und durchaus auch (entsprechend ihrer Gewichtung) entgegen den Wünschen der Allgemeinheit/Mehrheit. Das ist einfach nur meine Meinung: Auch mal das zulassen was man selber "scheiße" findet .... wenn/solange es niemanden verletzt oder eine Gefahr darstellt. Aber solche Voraussetzungen sollten immer selbstvertändlich sein. Auch wenn es die Mehrheit will, darf eine Entscheidung m.E. nicht zur Gefahr für das Leben im Allgemeinen und das Überleben des Einzelnen werden (Kriege, Akw´s, Gentechnik etc.)

Reinhard Wolf (42wolf@web.de)
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04.01.2012, 11:51 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.01.2012 11:58 PM von U. Kulick.)
Beitrag: #7
RE: SK-Prinzip
systemisch? a, jetzt, ja
Wen es um Abstimmungen geht, fühlen sich die Wähler in die Irre geführt, wenn sie "JA" ankreuzen müssen, wenn sie gegen etwas sind. So geschehen bei der Stuttgart21-Volksabstimmung. Für "gegen S21" musste man "JA" ankreuzen!

So macht es mehr Sinn, Befürwortungspunkte zu vergeben in der systemischen Abstimmung.

Die kann aber auch ersetzt werden durch SYSTEMATISCHE Abstimmung, d.h. Alle zur Auswahl stehenden Optionen müssen der Präferenz nach durchnumeriert werden. Dann ist nämlich das mit der niedrigsten Zahl für die höchste Zustimmung zum damit numerierten Vorschlag wieder logisch.
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14.01.2012, 01:21 AM
Beitrag: #8
RE: SK-Prinzip
dass die ablehnung beim SK quantifiziert wird ist durchaus gewollt, die hat sich nach vielen erfahrungen als sinnvoll erwiesen und daher nicht willkürlich festgelegt.

NEUE INHALTE OBEN IM THEMA

Eine Idee kann man nicht töten. Sie ist kugelsicher.
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08.02.2012, 02:40 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.02.2012 02:41 PM von U. Kulick.)
Beitrag: #9
RE: SK-Prinzip und LiquidFeedback?
@poly: Da dir systemische Konsensieren so sehr am Herzen liegt - jemand anders schlägt vor, Liquid Feedback-Software zur Beratung der Bundesregierung einzuführen und findet für den Vorschlag sogar tausende Unterstützer, siehe

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/...idIdea=662
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08.02.2012, 02:54 PM
Beitrag: #10
RE: SK-Prinzip
@ukulick: merci, habe in einem kommentar darunter auf SK hingewiesen. lässt sich nur hoffen, dass die das auch "freischalten" -.-

Eine Idee kann man nicht töten. Sie ist kugelsicher.
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