Occupy Wall Street hat am Samstag (8. Oktober 2011) eine zweite Ausgabe ihrer neuen wöchentlichen Zeitung, dem THE OCCUPIED WALL STREET JOURNAL herausgegeben (Ausgabe 1 | Ausgabe 2).
Mit einem kurzen Leitartikel „No list of demands“ enttäuschen sie sicherlich viele neugierige und kritische Beobachter, von denen so viele rätseln, was denn diese 99% eigentlich genau fordern. Man will sie einordnen können auf der politischen Landkarte, will wissen, mit wem man es zu tun hat, wie man sie vielleicht auch gut vermarkten kann – und einige wollen sicher auch erfahren, gegen wen sie zu kämpfen haben.
Aber die Occupy Wall Street-Bewegung scheint auf diesen Wunsch von Politik und Medien (zu diesem Zeitpunkt) nicht einzugehen. Und gerade darin scheint ihre wundersame Macht verborgen: Genau in dieser Naivität, dieser Unentschiedenheit im Großen und Ganzen, die Menschen nicht nur mehr in New York und den USA zusammenbringt – sondern immer weiter darüber hinaus. Die Menschen haben vielmehr, wie Naomi Klein es ausdrückt, „den Mut Fragen zu stellen, auf die wir keine verfügbaren Antworten haben“. Sie arbeiten damit vielleicht an einem ganz neuen, wahrlich großen (amerikanischen) Traum, indem sie einfach nur für alle offensichtlich fordern: „People before profits“ / „Menschen vor Profiten“.
Keine Liste der Forderungen
Wir sprechen zueinander, und hören einander zu
Bei dieser Besetzung geht es vor allem um Teilnahme
Zehntausende New Yorker strömten auf den Foley-Platz am Mittwoch – Gewerkschaften kamen heraus, Studenten gingen aus. Die Besetzung der Wall Street glich immer mehr der Stadt in der wir leben.
Welche Rasse, welches Alter, welche Religion vertritt die Besetzung? Keinen von ihnen. Und alle von ihnen.
Verbarrikadiert in Stahlkugenschreibern, umgeben von tausenden von Polizisten und NYPD (Polizei-) Hubschraubern von oben, sahen wir unsere Macht gespiegelt in ihrem Bedürfnis uns zu kontrollieren. Aber ebenso wie das unsere Bewegung ist, ist es auch unsere Erzählung (engl. narrative).
Die erschöpften Politmaschinen und ihre PR-Hochglanzmagazine streben bereits danach, Anführer hervorzuheben, Botschaften zu beanspruchen, Gesprächsthemen zu verfolgen. Sie werden versuchen, mehr als jeder andere, diesen Moment in Besitz zu nehmen und zu formen. Sie rennen um die Wette, um an die Spitze der Schlange zu kommen. Aber wie können sie vorlaufen vor etwas, was vor ihnen ist? Können sie nicht.
In Bezug auf Wall Street und Washington, die Forderung ist nicht an sie gerichtet, uns das zu geben, dass gar nicht ihnen gehört, um es zu geben. Es gehört uns. Es ist an uns. Wir gehen nicht irgendwo hin. Wir sind gerade hier.
Die Forderung ist ein Prozess (6min)
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Quelle: The Occupied Wallstreet Journal, 8.10.2011
Übersetzung: Tom Stelling/www.echte-demokratie-jetzt.de
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