Liebe Interessierte der echten Demokratie jetzt, liebe Occupier,
gestern abend gab es im Deutschlandfunk ein außergewöhnliches Feature über die Bewegung des 15. Mai (15M) in Spanien mit dem Titel: „Wir sind nicht Anti-System, das System ist anti-wir“ – entsprechend einem der Slogans der Bewegung (mp3 direkt).
Wer (nochmal?) einiges des besonderen Monats ab dem 15. Mai 2011 entdecken will, schaue mal bei uns auf die Homepage, wo wir damals vieles zur #spanishrevolution gesammelt haben: unter Camp Sol (Zeltstadt der Demokratie auf der Puerta del Sol, dem zentralen Platz in Madrid), den Bericht der außergewöhnlichen Tage in Spanien (Story 15M), die Dokumentationen, die im Nachklang produziert wurden. Hier auch nochmals der Start – das Video, das uns aufgerüttelt und berührt hat einige Tage nach dem 15. Mai …
Über das neuartige dieser Bewegung, die jenseits klassischer Polarisierungen von links und rechts stattfindet, die das Verbindende der Menschen in den Mittelpunkt stellt, das Gemeinwohl, hat im August letztes Jahres bereits ein spanischer Journalist und Aktivist spannend geschrieben: Soziale Verbindung neu erfinden: die spanische Bürgerbewegung
Aktuelles aus Spanien: Rebellische Großeltern machen einmal monatlich eine „direkte Aktion“, etwa einen Bus entführen oder eine Bank besetzen – verraten das aber vorher keinesfalls per Twitter, damit die Polizei es nicht mitbekommt. Das ist Spanien!
Und Deutschland?
Der Sozialforscher Roland Roth behauptet in einem aktuellen Artikel Vom Gelingen und Scheitern sozialer Bewegungen, das „Bewegungen wieder Geschichte machen“ seit dem letzten Jahr. Er entdeckt „überraschende und neue Elemente dieser transnationalen Protestkonstellation“. Es fällt ihm dabei aber auch auf, „dass die durchaus erfolgreichen deutschen Proteste und Bewegungen dieses Jahres davon wenig aufgenommen haben, sondern eigene, pfadabhängige Wege gegangen sind. Bürgerinitiativen und neue soziale Bewegungen, allen voran die Anti-AKW-Bewegung, haben starke Traditionen gestiftet, die für die radikaleren und utopischen Momente des transnationalen Geschehens offenbar nur einen schwachen Resonanzboden abgegeben.“
So drückt sich ein Wissenschaftler aus, der vielleicht sagen will (meine Übersetzung), das die deutschen Bewegten in gewohnten Bahnen ihr Ding machen, während sie nicht viel mitbekommen von dem radikalen und utopischen, was manchmal andernorts über die Ländergrenzen hinwegfegt.
Zum Abschluss genau zu diesem Thema (Vom Gelingen und Scheitern sozialer Bewegungen) noch ein Terminhinweis: Für die „Profis“ der Bewegung gibt es vom 17.-19. Juni eine Konferenz in Frankfurt, organisiert von der Bewegungsstiftung (flyer).
Viel Anregung beim Hören, Nachlesen, Sehen und Bewegen!
Tom
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